COVID-19-Folgen: Pandemie-Risiko im Jahresbericht erhöht Renditevolatilität

Wie reagiert der Aktienmarkt auf Risikobewertungen von Unternehmen in ihrem Jahresbericht? Profitieren Firmen davon, dass sie Risiken wie das Eintreten einer Pandemie offenlegen, bevor sie eintreten? Das Gegenteil scheint der Fall zu sein, denn betroffene Aktienkurse gaben nach, als 2020 der Risikofall einer Pandemie eintrat. Es gab jedoch eine Ausnahme. Ein eindeutig positiver Effekt zeigte sich, wenn es gute Nachrichten bezüglich des offengelegten Risikos gab. Diese Ergebnisse wurden kürzlich in einem KLU-Paper von Doktorand Keno Theile, Prof. Kai Hoberg und Prof. Alexander Himme veröffentlicht.

Die Wissenschaftler untersuchten, welche Unternehmen in ihren 2019 eingereichten Jahresberichten das Risiko einer Epidemie oder Pandemie offenlegten und welche Folgen diese Transparenz auf die Aktienrenditen der Unternehmen hatte, nachdem die COVID-19-Krise eingetreten war.

Signifikanter Anstieg der Aktienrendite-Volatilität

Über alle Branchen hinweg hatten nur 19 Prozent der untersuchten US-Unternehmen vor der Gefahr einer Pandemie gewarnt. Diese wiesen bei Ausbruch der COVID-19-Krise eine höhere Volatilität bei den Aktienrenditen auf, was bedeutet, dass sie von den Anleger*innen als risikoreicher empfunden wurden. Außerordentliche Ereignisse hatten einen wesentlich größeren negativen Einfluss auf Unternehmen, die ihr Risiko offengelegt hatten. Ein Beispiel hierfür ist die Ankündigung des Reiseverbots nach Europa Mitte März 2020. Dieselben Unternehmen profitierten jedoch wiederum stärker von guten Nachrichten, z. B. als die US-Regierung kurz nach dem Reiseverbot ein Konjunkturpaket in Höhe von zwei Billionen Dollar ankündigte.

Erste Studie über eingetroffene Risiken

Frühere Studien hatten bereits die Reaktionen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Jahresberichte untersucht. Bislang gab es jedoch für den Fall, dass das Risiko tatsächlich eintritt, nur wenige Erkenntnisse. Gibt es Unterschiede, je nachdem, ob ein Unternehmen dieses Risiko im Vorfeld transparent kommuniziert hat? "Durch die Analyse während der COVID-19-Pandemie sind wir in der Lage, empirische Beweise über die Wirkung eines offengelegten systematischen Risikos auf die Aktienmarktrenditen für eine große Bandbreite von Branchen zu liefern. Die Kausalität kann jedoch erst in einem Rückblick erklärt werden, nachdem sich der Finanzmarkt stabilisiert hat und die realisierten finanziellen Auswirkungen der Pandemie auf die einzelnen Unternehmen sich vollständig entwickelt haben und gemeldet wurden", schloss Keno Theile.

Mehr als 3.400 im Jahr 2019 eingereichte Jahresberichte von Unternehmen, die an US-Börsen notiert sind, wurden analysiert, um Daten zur Risikoaufklärung zu liefern. Der Zeitraum der Börsenbeobachtung erstreckte sich von Januar bis Juni 2020.

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