Der Dorfladen als Knotenpunkt für autonome Logistik

Autonome Fahrzeuge holen den Müll ab, liefern Pakete nach Hause oder transportieren frische Milch in die Molkerei – so könnte die Logistik der Zukunft auf dem Land aussehen. Denn während in den Städten Wohnungsnot herrscht, entvölkern sich ganze Landstriche. Digitale Lösungen sind gefragt, um auch in dünn besiedelten Gegenden Waren und Dienstleistungen zu akzeptablen Kosten zur Kundschaft zu bringen. Als wissenschaftlicher Partner im neu gegründeten Netzwerk „Autonome Logistik im ländlichen Raum“ beteiligt sich die KLU an der Entwicklung solch innovativer Logistiksysteme.

„Für die sogenannte letzte Meile in der Stadt gibt es bereits vielversprechende Techniken und Geschäftsmodelle, wie die Veranstaltungen 'Smart Urban Retail Day' (SURday) und 'Smart Urban Retail Night" (SURnight) im Rahmen des KLU-Forschungsprojekts SURTRADE (Smart Urban Retail Services) gezeigt haben. Meine Sorge gilt jedoch dem ländlichen Raum mit seinen geringen Warenströmen. Dorfläden schließen, Paketdienste fahren mit halb leeren Autos – dünn besiedelte Regionen zu versorgen, rechnet sich kaum noch“, sagt Dr. André Ludwig, Associate Professor of Computer Science in Logistics, verantwortlich für das Netzwerk an der KLU.

Paketzustellung im Dorfladen 4.0

Das Netzwerk hat erste Anwendungsfälle ausgemacht: So könnte der Dorfladen in einer 4.0-Version wiederbelebt werden. „Der Dorfladen erfüllt dabei nach wie vor seine Funktion als soziales Zentrum, wird aber zusätzlich zum Knotenpunkt für autonome Logistik“, erläutert Prof. Dr. Ludwig. Paketdienste liefern die Ware nicht mehr zu Endkunde und Endkundin, sondern zum Dorfladen. Mitarbeitende händigen diese direkt aus oder senden sie über ein autonomes Auslieferungssystem an die Adressierten. Auch autonomes Fliegen sei denkbar, so Prof. Dr. Ludwig. „Der Einsatz von Drohnen lässt sich auf dem Land viel leichter umsetzen als in der Stadt. Dort ist es aus guten Gründen größtenteils verboten.“

Autonome Waren-, Stoff- und Energieströme

Eine zweite Idee ist, einen autonomen flexiblen Lastenzug zu entwickeln. Selbstfahrende Container würden zum Alltag auf der Landstraße – elektrisch getrieben, autonom gelenkt und in der Lage, sich automatisch zu Zügen zusammenzukoppeln. Der Einsatz für lokale Waren-, Stoff- und Energieströme ist vielfältig. Statt großer Müllfahrzeuge mit langen Routen könnte ein Schwarm autonomer Fahrzeuge die Tonnen austauschen. Ein Beispiel für die Landwirtschaft: Autonome Fahrzeuge transportieren die frische Milch direkt in die Molkerei. Für das Gas- und Stromnetz gibt es ebenfalls Anwendungsszenarien und auch darüber hinaus ist das Netzwerk offen für Ideen und Ansätze, die alle einem Ziel dienen: mit Hilfe autonomer Logistik ländliche Regionen wirtschaftlich stark und lebenswert machen.

Netzwerk „Autonome Logistik im ländlichen Raum“
Das Netzwerk „Autonome Logistik im ländlichen Raum“ umfasst zwanzig Partner und wird vom „Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand“ gefördert. Mittelständische Unternehmen und Forschungseinrichtungen erhalten Zuschüsse für anspruchsvolle Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die zu neuen Produkten, technischen Dienstleistungen oder besseren Produktionsverfahren führen.

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