Ein Unternehmen gründen? Alumnus Jannes Dawe kennt sich aus

Jannes Dawe will dazu beitragen, dass Menschen durch Digitalisierung Zeit gewinnen, weil sich Dinge einfacher und schneller erledigen lassen. Dafür hat der KLU-Absolvent (MSc Management, Abschlussklasse 2015) zusammen mit zwei Geschäftspartner*innen die Dreitausendsassa GmbH gegründet. Sie unterstützt Unternehmen dabei, ein digitales Geschäftsmodell zu entwickeln, zu testen und zu implementieren. Seit der Schulzeit ist Jannes leidenschaftlicher Unternehmer. Täglich geistern neue Ideen durch seinen Kopf. Wie bringt man Ideen auf die Welt und was braucht man zum Gründen? Wir haben nachgefragt.

Lieber Jannes, dein Unternehmen heißt Dreitausendsassa. Wie viel Tausendsassa steckt in dir?

Jannes Dawe: Wahrscheinlich eine gute Portion. Ich habe mich schon auf einigen Spielfeldern bewegt. In der 11. Klasse fing ich an, Webseiten zu bauen. Mit 18 Jahren habe ich ein Gewerbe angemeldet, um damit Geld zu verdienen. Meine erste Kundin heuerte mich dann direkt als Prokurist an. Noch während des Abiturs habe ich für diese Firma spezielle Straßenlampen in Südafrika vertrieben und das dazugehörige Unternehmen aufgebaut. Während meines Bachelor-Studiums an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und an der Montpellier Business School in Frankreich habe ich Projekte gekauft, aufgepäppelt und selbst welche entwickelt. Eine Zeit lang war ich der größte Blog-Hoster Deutschlands. Und ich habe ein Dating-Portal aufgebaut und erfolgreich verkauft. Nach dem Master an der KLU bin ich in ein Startup eingestiegen, das im Bereich Pricing tätig war. Und 2018 habe ich mit den anderen beiden Tausendsassa die jetzige Firma gegründet. An der nächsten Idee arbeiten wir gerade …

Worauf kommt es beim Gründen an?

Jannes Dawe: Die Konstellation des Gründerteams ist enorm wichtig. In unserem Dreier-Team ergänzen wir uns wunderbar. Meine Mitgründerin ist stark in PR und Sales, mein Mitgründer ist der Technologie-Kopf. Und ich decke E-Commerce, Analytics und Finanzen ab. Damit können wir im Internetsektor praktisch jede Firma betreiben. Häufig haben Gründerteams den gleichen Fachhintergrund. Das kann schnell schiefgehen: etwa wenn zwei Technologie-Experten eine tolle Idee haben, aber nicht wissen, wie man eine Firma führt. Oder wenn zwei brillante BWLer Apps bauen wollen, aber von Technologie nichts verstehen. Als Gründer sollte ich unbedingt mein Kernprodukt beherrschen.

Gibt es so etwas wie eine Gründerpersönlichkeit?

Jannes Dawe: Das würde ich so nicht sagen. Dennoch erleichtern es manche Fähigkeiten und Charaktereigenschaften, als Gründer*in erfolgreich zu sein. Innovationsfähigkeit ist sehr hilfreich. Ich scanne täglich meine Umwelt und frage mich: Wie lässt sich dieses oder jenes verbessern? Ganz wichtig ist Selbstreflektion. Ich muss wissen, was ich kann und – noch viel wichtiger – was ich nicht kann. Wenn das Geschäftsmodell nicht so recht funktioniert, braucht es auch Anpassungsfähigkeit und Ideen, wie man die Firma in die richtige Richtung lenken könnte. Außerdem muss man Entscheidungen treffen können, ohne zu wissen, was richtig oder falsch ist. Geht man halbherzig zwei verschiedene Wege, stagniert das Unternehmen.

Was ist aus deiner Sicht der größte Fehler, den man beim Gründen machen kann?

Jannes Dawe: Man hat eine Idee und erzählt sie niemandem aus Sorge, dass sie geklaut wird. Dadurch übersieht man große Denkfehler und verliert bestenfalls viel Zeit und schlimmstenfalls viel Geld. Zu erkennen, dass der Markt etwas gar nicht will oder eine Idee aus einem rechtlichen Grund nicht funktioniert, ist sehr wertvoll. Mein Credo ist daher: Besprich eine Idee möglichst schnell mit möglichst vielen Leuten. Im Studium habe ich viele gute Freunde gewonnen, die mir heute noch ehrliches Feedback geben.

Welche Lernerfahrung war für dich sehr wichtig?

Jannes Dawe: Ich habe mich früher schwer getan, Aufgaben abzugeben, die nicht meine Kernkompetenz sind. Selbst viel besser qualifizierten Personen habe ich nicht zugetraut, dass sie ein gutes Ergebnis abliefern. Also habe ich selbst viel Zeit reingesteckt. Oder wir wollten ein paar hundert Euro sparen und haben beispielsweise selbst ein Projektmanagement-Tool entwickelt. In der Zeit hätten wir aber unser eigenes Produkt bauen können. Irgendwann dämmerte es mir: Das ist der falsche Weg, denn die für die Unternehmensentwicklung relevanten Projekte kamen nicht mehr voran.

Was hast du aus deiner Zeit an der KLU mitgenommen?

Jannes Dawe: Das Leben an der KLU ist sehr interkulturell – das ist ein riesiger Vorteil. Dadurch lernt man, sich anzupassen, die Perspektive zu wechseln und unterschiedliche Herangehensweisen und Haltungen zu verstehen. Außerdem bietet die KLU sehr viel Praxisbezug. Viele Professor*innen arbeiten an topaktuellen Themen und die Studierenden werden bei ihren Forschungen sowohl mit Know-how als auch finanziellen Mitteln sehr unterstützt. Das motiviert zum Ausprobieren.

Welchen Rat möchtest du jungen Menschen geben, die etwas bewegen wollen?

Jannes Dawe:Fangt möglichst früh an, Dinge zu testen. Am besten auf einem Gebiet, wo ihr denkt, dass ihr besser seid als andere. Gerade während des Studiums habt ihr eine sehr komfortable Zeit, denn ihr könnt Dinge ausprobieren ohne hart zu fallen. Oder macht (zunächst) eine Ausbildung. Am besten in Bereichen, wo Werte geschaffen werden, zum Beispiel im Handwerk. In ein paar Jahren dürfte dort der fruchtbarste Boden für Gründungen liegen.

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