Forschungsprojekt GATE für weniger Emissionen im Güterverkehr

Auch im Straßengüterverkehr müssen wir runter mit den CO2-Emissionen. Hier sind vor allem die Speditionen gefragt. Diese sind in Europa zu 99 Prozent kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Wenn die Kunden sich jedoch fragen, wie hoch die Treibhausgasemissionen der von ihnen beauftragten KMU eigentlich sind, wird es oft schon schwierig. Wie können sie die CO2-Emissionen ermitteln und woran liegt es, dass die Datenlage bei KMU noch so schlecht ist? Antworten gibt das neue Projekt GATE – Ganzheitliche Ausweisung der Transportemissionen KMU.

„Hier liegt ein spannendes Forschungsfeld mit viel Potenzial“, sagt Ramón van Almsick, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Center for Sustainable Logistics and Supply Chains (CSLS) an der KLU. Partner im Projekt ist das Institut für Logistik und Unternehmensführung (LogU) der Technischen Universität Hamburg (TUHH) unter der Leitung von Professor Dr. Wolfgang Kersten.
 

Fundiert und praktisch – ein Handbuch für KMU

Es bleibt aber nicht bei der Forschung. KMU profitieren ganz praktisch, denn die Forschungsergebnisse sind die Grundlage für konkrete Handlungsempfehlungen. Das Projekt berücksichtigt, dass jeder Betrieb seine Eigenheiten hat und stattet alle teilnehmenden KMU mit einem individuellen Handbuch aus. Auf diese Weise können Mitarbeitende für das Thema sensibilisiert und einfach eingearbeitet werden. „Wir adressieren damit einen konkreten Bedarf bei KMU“, führt van Almsick aus, „Unsere Studie wird ihnen ein Werkzeug an die Hand geben, mit dem sie sich für die wachsenden Anforderungen an Nachhaltigkeitim Wettbewerb wappnen können.“
 

Mehr Umweltschutz fürs Geschäft

Einerseits soll der Straßenverkehr dekarbonisiert werden – am besten so schnell wie möglich. Die Folgen eines weiteren ungebremsten Temperaturanstiegs auf der Erde wären fatal. Der European Green Deal von 2019 will bis 2050 ein klimaneutrales Europa schaffen. Als Zwischenschritt sollen bis 2030 Treibhausgasemissionen um 55 Prozent im Vergleich zum Stand von 1990 sinken. Andererseits sorgen immer mehr Menschen und mehr Nachfrage für ein Anwachsen des Straßengüterverkehrs.

In den letzten 25 Jahren wurde in Deutschland zumindest geschafft, weniger spezifische CO2-Emissionen zu verursachen. Als wirklichen Erfolg kann man das dennoch nicht verbuchen, denn im gleichen Zeitraum ist der CO2-Ausstoß insgesamt um mehr als 20 Prozent gewachsen und soll sich laut International Transport Forum der OECD bis 2050 noch verdreifachen. Das zeigt, wie dringend analysiert werden muss, wieviel sogenannte Scope3-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette eines Unternehmens denn nun von darin eingebundenen Transportdienstleistern erzeugt werden.
 

Als engagierter Transportdienstleister sichtbar werden

Mehr als die Hälfte der Transportdienstleister geben in einer aktuellen Studie des CSLS an, dass sie ihre CO2-Emissionen nicht beziffern können. Nur 16 Prozent sind bereits in der Lage, den CO2-Ausstoß pro Lieferauftrag auszuweisen. „Das hat mehrere Gründe“, sagt van Almsick, „unter anderem werden KMU kaum darum gebeten, ihre Emissionswerte anzugeben.“ Stattdessen wird von modellierten Standardemissionsfaktoren ausgegangen, womit man zu Ergebnissen kommt, die sich von den tatsächlichen unterscheiden können.

Hat ein engagierter Transportdienstleister in seinem Betrieb vielleicht schon Schritte unternommen, um organisatorisch oder technisch umweltfreundlicher zu funktionieren? Diese Informationen werden z. B. nicht übermittelt, obwohl sie gerade jetzt sichtbar und nachweisbar sein sollten. Das GATE-Projekt hat es sich auf die Fahne geschrieben, die Situation zu verbessern.
 

Vielversprechendes Projekt erhält Unterstützung

Rückhalt bekommt das Forschungsvorhaben durch eine Förderung vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) hat die verschiedenen Forschungsstellen und die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) miteinander verbunden. Wer sich für das GATE-Projekts interessiert, muss nicht auf den allumfassenden Bericht zum voraussichtlichen Abschluss im Februar 2024 warten, sondern kann sich die Ergebnisse in Ausschüssen, auf Vorträgen und in Blogbeiträgen anschauen.