KLU Talks Business … mit Robert Dohrendorf, Graphmasters

Staus aktiv zu vermeiden ist das Versprechen des erfolgreichen Routing-Unternehmens Graphmasters, welches auch beim KLU-Start-up-Day 2020 zu Gast war. Dessen Routenplanung basiert auf der schwarmintelligenten Navigations-App NUNAV und sorgt dafür, dass alle sich Fahrzeuge bestmöglich auf die Infrastruktur verteilen und so der Verkehrsfluss besser wird. Warum das nicht nur wirtschaftlich, sondern auch nachhaltig ist, erklärt CEO Robert Dohrendorf im Interview.

Die Graphmasters sind seit Jahren starke Innovationstreiber im Bereich Verkehr und Transportlogistik: Um welche Innovationen handelt es sich und welche Leistungen bietet Ihr Unternehmen speziell Logistikdienstleistern an?

Robert Dohrendorf: Unser „Collaborative Routing“ ist eine Technologie zur optimierten Nutzung der Straßeninfrastruktur. Zum einen möchten wir damit das „Selfish Routing“-Problem lösen, bei dem alle Verkehrsteilnehmenden egoistisch die für sie scheinbar ideale Strecke wählen. Denn wenn sich alle für die gleiche Lösung entscheiden, führt das zu Stau. Zum anderen wollen wir ökonomische, ökologische und soziale Belastungen abbauen, indem wir den Verkehr besser fließen lassen. Logistikdienstleister, die unseren Tourenplanungsservice NUNAV Courier nutzen, können einen positiven Beitrag dazu leisten.

Mit diesem Wert- und Nutzenversprechen appellieren wir zunächst an traditionelle unternehmerische Instinkte, denn mit unserer Hilfe lassen sich Wettbewerbsfähigkeit und Qualität der Dienstleistung verbessern. Dabei ist es uns ein Anliegen, menschliche Kompetenz mit den Vorteilen unserer „intelligenten“ Software zu vereinen. Da jede Lieferkette spezifisch ist, legen wir außerdem großen Wert auf individuelle Lösungen.

In welcher Weise befördern Graphmasters-Produkte und -Dienstleistungen die ökologische Nachhaltigkeit? Welchen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit für Sie – als Unternehmer, aber auch im privaten Leben?

Robert Dohrendorf: Nachhaltigkeit ist ein fundamentales Prinzip von Graphmasters. Wir subsumieren darunter ökologische, ökonomische und soziale Aspekte. Die Schwierigkeit besteht darin, über ein bloßes Lippenbekenntnis hinaus ein klares, messbares Zielbild zu entwickeln. Beispiel Klimaneutralität: Angenommen, wir würden einem Kunden helfen, die Effizienz (gefahrene Kilometer/Sendung auf der letzten Meile) um 30 Prozent zu steigern und zugleich die Produktivität (Sendungen/Fahrzeug) um 20 Prozent zu verbessern – unter sonst gleichen Bedingungen. Würden wir diesem Kunden helfen, klimaneutral zu werden? Wohl nicht.

Wir als Unternehmen bzw. ich privat stecken in einem ähnlichen Dilemma. Reicht es, wenn wir die CO2-Emissionen unserer Reisen kompensieren, die Suchmaschine Ecosia nutzen und fast ganz auf das Auto verzichten, während wir zugleich ungezügelt um die Welt fliegen, um die Menschen für „Collaborative Routing“ zu begeistern, und wenn unsere Lieferanten (Rechenzentren, Datenlieferanten, Hardware-Hersteller) ihr „business as usual“ machen?

Es ist spannend zu sehen, wie sich die Diskussion bezüglich Nachhaltigkeit entwickelt. Wir als Firma und ich als Privatperson würden es sehr begrüßen, wenn die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich mehr Anreize für nachhaltiges Handeln böten.

NUNAV Courier zur Lösung des "Travelling Salesman"-Problems der KEP-Branche  (Video von Graphmasters)

An der KLU gibt es seit September 2020 das Forschungszentrum für nachhaltige Logistik und Lieferketten (CSLS). Wo erscheint Ihnen eine Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlichen Hochschulen und Unternehmen mit Blick auf die gebotene Klimaneutralität der Logistikdienstleistung besonders dringlich?

Robert Dohrendorf: Der Einfluss von Transportdienstleistungen auf Ökonomie, Ökologie und allgemeine soziale Aspekte sollte noch vielschichtiger transparent, sichtbar und nachvollziehbar gemacht werden. Aus Sicht der Wirtschaft wäre ein interessanter wissenschaftlicher Beitrag, unter welchen Bedingungen ein klimaneutrales Gleichgewicht erreicht wird und welche technologischen Ansätze dies begünstigen.

Die KLU feiert 2020 ihr zehnjähriges Jubiläum. Als Geschenk wünschen wir uns einen guten Sinnspruch. Haben Sie einen für uns parat?

Robert Dohrendorf: Die Eishockey-Legende Wayne Gretzky sagte stets: „Gehe nicht dahin, wo der Puck ist. Gehe dahin, wo der Puck sein wird.“ Die Programme der KLU geben den Absolventinnen und Absolventen eine sehr gute Idee davon, wo der Puck sein wird und damit einen bedeutenden Vorsprung für ihre Karriere.

Vielen Dank!

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