Mit vereinten Kräften die maritime Wirtschaft stärken

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Das Ziel ist klar: Die dringlichsten Themen im Seeverkehr angehen und akademische Forschung und praktische Erkenntnisse zusammenführen. Um Wirtschaft und Wissenschaft zu vereinen, haben die KLU und Hapag-Lloyd sich zusammengeschlossen und das neue Hapag-Lloyd Center for Shipping and Global Logistics (CSGL) gegründet. Das neue Forschungszentrum unter der Leitung von KLU-Professor Michele Acciaro wird Hamburgs Position als internationale Drehscheibe für maritimes Wissen weiter stärken – und hat mit Dr. Katharina Renken ein neues Gesicht an die KLU gebracht. Wir haben mit der Wissenschaftlerin des CSGL über aktuelle Herausforderungen in der Schifffahrt gesprochen und darüber, wie sie diese angehen wird.

Frau Dr. Renken, Sie arbeiten im neuen Hapag-Lloyd Center for Shipping and Global Logistics. Wie wird dieses Forschungszentrum die maritime Wirtschaft unterstützen?

Wir werden unsere Kompetenzen bündeln, um Fragen zu beantworten, die sich der Branche aktuell und in Zukunft stellen. Die Zusammenführung von akademischer Forschung und Wirtschaft gibt uns die Möglichkeit, diese Themen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und dabei immer auch den Bedürfnissen der Praxis Rechnung zu tragen.

Die KLU bietet mit ihrem forschungsorientierten Ansatz und ihrem akademischen Renommee bei Logistikthemen hervorragende Rahmenbedingungen dafür. Dank unserer Kontakte zu Stakeholdern, Entscheidungsträgern und Leuten aus der Praxis verstehen wir die Herausforderungen, vor denen die Branche steht. Und wir freuen uns darauf, diese gemeinsam mit Kunden und Partnern anzugehen.

Was werden Ihre Aufgaben im CSGL sein?

Mein Schwerpunkt liegt auf der Akquise und Umsetzung neuer und innovativer Projekte in Zusammenarbeit mit Industrie und Forschungseinrichtungen. Wir werden uns mit drängenden Themen im Bereich Schifffahrt und Logistik befassen, etwa mit Digitalisierung und Nachhaltigkeit, und dabei auch wirtschaftliche und soziale Aspekte berücksichtigen.

Es ist mir ein großes Anliegen, Stakeholder, Entscheidungsträger und Forscher mit höchsten Ansprüchen zu verbinden, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern und wegweisende Chancen und Lösungen für alle Beteiligten zu finden.

Sie haben Digitalisierung und Nachhaltigkeit als wichtige Themen für die maritime Wirtschaft genannt. Auf welche anderen Forschungsbereiche wird sich das CSGL konzentrieren?

Unser Team hat sich mit Themen wie Preisgestaltung und Innovationen in Häfen und in der Schifffahrt, der Rolle der Schifffahrt bei humanitären Einsätzen, Nachhaltigkeit im Schifffahrtssektor und der Digitalisierung von Häfen und ihrer Umgebung (etwa Terminal-Operation-Software) befasst, außerdem auch mit Fragen, die den Hafen der Zukunft (Port 4.0) und alternative Energieversorgung wie etwa Landstrom betreffen.

Mit diesem Hintergrundwissen und dieser Erfahrung können wir gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern ein breites Spektrum an aktuellen und zukünftigen Themen abdecken. Vor allem Nachhaltigkeit und Hafen-Stadt-Beziehungen liegen mir dabei sehr am Herzen.

Sie sind im August 2018 an die KLU gekommen, um im CSGL zu arbeiten. Was haben Sie vorher gemacht?

Bevor ich an die KLU kam, habe ich als Projektingenieurin und stellvertretende Abteilungsleiterin im Bereich Hafenmanagement am JadeWeserPort gearbeitet. Meine Aufgabe war es, die Eröffnung des Hafens vorzubereiten und ihn in Betrieb zu nehmen. Teil eines jungen, dynamischen Teams zu sein, das an einem Projekt auf der grünen Wiese arbeitet, ist eine tolle Gelegenheit, sich fachlich weiter zu entwickeln.

Ich war bei vielen Themen involviert, etwa bei den Tarifen und Konditionen des Hafens. So hatte ich Gelegenheit, ein tiefes Verständnis des nationalen und internationalen Rechts zu erlangen und zu sehen, was in anderen Häfen der Standard ist. Ich habe den Alarm- und Notfallplan fertiggestellt und auf Basis meines Hintergrunds im Geschäftsprozessmanagement die Geschäftsprozesse für das Hafenbüro erstellt. Zusätzlich habe ich mit meinen Kollegen auch die Rechnungs- und Hafenvisualisierungssoftware implementiert, wobei interne Teamarbeit und eine strukturierte Kommunikation mit dem Anbieter nötig waren.

Bis vor kurzem habe ich dann am Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen gearbeitet, wo ich gelernt habe, wie man internationale und nationale Projektaufrufe adressiert, deren Projekte zu Teilen praxisbezogen und forschungsorientiert sind. Dank meiner Networkingfähigkeiten sind vielversprechende Kooperationen mit Partnern und Kunden aus Industrie und Forschung entstanden. Auch darüber hinaus war und ist mir eine stetige Kommunikation zum Austausch von Wissen und Ideen ein Anliegen.

Aufgrund meiner Leistungen, meiner Ambitionen und meiner Ingenieurkenntnisse wurde ich während meiner Zeit am Fraunhofer-Center für TALENTA speed up ausgewählt, ein Programm zur Karrierebeschleunigung, das der Fraunhofer-Verein ins Leben gerufen hat und finanziert.

Und warum haben Sie sich für die KLU entschieden?

In meiner Arbeit am JadeWeserPort fand ich es sehr eindrucksvoll, ein neues Projekt zu betreuen und in Betrieb zu nehmen. Der Aufbau des neuen Hapag-Lloyd Center for Shipping and Global Logistics ist ein ähnliches Vorhaben. Es ist eine großartige Gelegenheit, meine Forschungen und meinen Erfahrungsschatz zu erweitern und ich kann hier zudem mein Netzwerk an Partnern aus Industrie und Wissenschaft einbringen. Diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen!

Mit Blick auf die Zukunft, welche Herausforderungen und Entwicklungen sehen Sie in der maritimen Industrie?

Die Digitalisierung ist ein großes Thema und von besonderem Interesse. Die Verbindung aller Akteure entlang der Lieferkette kann den gesamten Verkehrssektor, einschließlich des Seeverkehrs und der Schifffahrt, verändern. Die Digitalisierung ermöglicht es auch, Interessengruppen, Entscheidungsträger und Kunden miteinander zu verbinden. Auf dieser Grundlage kann man Angebot und Nachfrage untersuchen und den Bedarf und die Rahmenbedingungen für Verkehr generell ermitteln.

Auch Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind wesentliche Themen für die Schifffahrtsbranche und die globale Logistik. Die effiziente Nutzung von Ressourcen wie Treibstoff und Transportkapazität, die Unterstützung durch Maschinen und Roboter an Terminals und in Häfen sowie die Schaffung besserer Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter und Seeleute sind nur einige der Möglichkeiten, wie man den nachhaltigen Hafen der Zukunft gestalten kann.

Nur wenn solche Entwicklungen auch wirtschaftlich auf soliden Füßen stehen, werden sie umgesetzt und haben Erfolg. Eine Erhöhung der Flexibilität, Robustheit und Effizienz innerhalb der Lieferkette und ihrer einzelnen Komponenten, wie etwa den Häfen und Terminals, zahlt auf diese Entwicklung ein.

Vielen Dank, Frau Dr. Renken!



Das Hapag-Lloyd Center for Shipping and Global Logistics (CSGL) ist an der KLU angesiedelt und wird von KLU Professor Michele Acciaro mit Unterstützung von KLU-Forschern und assoziierten Mitgliedern geleitet. Die Einweihung fand am 22. November 2018 statt.