Kann HR die Herausforderungen der Corona-Krise bewältigen?

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„The Economist“ hat vor kurzem mit einer Schlagzeile diejenigen Mitarbeiter in den Fokus gerückt, die auch während der Corona-Krise für die Menschen im Unternehmen zuständig sind. Zweifellos steht HR momentan vor einer großen Herausforderung: Aufgrund des Social Distancing unterhalten viele Unternehmen zurzeit (fast) ebenso viele Büros, wie sie Mitarbeiter haben. HR muss jetzt Mitarbeiter unterstützen, die remote arbeiten und größtenteils nicht daran gewöhnt sind, virtuell zu kommunizieren – und das in einer Zeit, die ohnehin von enormer Instabilität und Unsicherheit geprägt ist. Definitiv keine leichte Aufgabe, deswegen gibt es hier erste Ratschläge zu vier Kernthemen, denen HR sich aktuell widmen muss:

Die Arbeitsplatzsicherheit stärken

Wer betont, dass HR erwägen muss, ob, wann und wie Mitarbeiter entlassen werden sollten, begibt sich auf gefährliches Terrain. Schließlich ist Arbeitsplatzsicherheit eine wichtige Ressource, die Mitarbeitern dabei helfen kann, schwierige Zeiten besser zu verkraften. So zeigen Untersuchungen, dass sogar in Situationen, in denen aus wirtschaftlichen Gründen Entlassungen nötig sind, die verbleibenden Mitarbeiter das Vertrauen in die Geschäftsführung verlieren und nach der Krise verstärkt kündigen. Mit Blick auf diese Forschungsergebnisse scheint die Entscheidung von Haufe-umantis weise, die Gehälter zu kürzen, um in einer schwierigen Wirtschaftslage zu überleben (Gehaltskürzungen um 30% bei den Managern und um 15 % bei der Belegschaft, das Ganze auf Basis eines demokratischen Entscheidungsprozesses).

Die Fernarbeit unterstützen

Neben der nötigen technologischen Infrastruktur brauchen die Mitarbeiter Ressourcen und Unterstützung, damit sie ihre Arbeit effizient aus der Ferne erledigen können. Untersuchungen zeigen, wie schwierig es unter normalen Umständen sein kann, Arbeit und Privatleben sowohl zu vereinbaren als auch zu trennen – wenn drei Kindern von zu Hause aus unterrichtet werden sollen, wird das nicht einfacher … Und auch wenn man, ganz im Gegenteil, allein ist und keine Begegnungen mit anderen Menschen haben darf, kann das die Arbeit erschweren. Eine enge Begleitung und die Möglichkeit, sich mit Kollegen in derselben Lage auszutauschen, kann die Mitarbeiter jetzt bei der Organisation ihrer Arbeit unterstützen.

Virtuelle Kommunikation ermöglichen

Die meisten Mitarbeiter sind daran gewöhnt, einander persönlich zu sehen und kurze Interaktionen beispielsweise an der Kaffeemaschine zu haben. Kann man ausschließlich virtuell kommunizieren, ist ein solcher Austausch, der quasi nebenbei stattfindet, nicht mehr gegeben. Da die Mitarbeiter sich über die Bedeutung von emotionaler Kommunikation und sozialer Nähe, die sie durch persönliche Interaktionen erleben, oft keine Gedanken machen – schließlich sind diese ein selbstverständlicher Teil des Arbeitsalltags – brauchen sie jetzt Hilfestellungen und Leitlinien, die ihnen zeigen, wie man auf virtueller Ebene einen konstruktiven, positiven Ton etabliert, die informelle Kommunikation fördert, zur Teilnahme ermutigt und eine persönliche Atmosphäre schafft, damit die Arbeit aus der Ferne für alle Beteiligten erfolgreich verläuft.

Sich für Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter einsetzen

Angst um den Arbeitsplatz, Fernarbeit und virtuelle Kommunikation können erhebliche Stressfaktoren für die Mitarbeiter sein. Untersuchungen zeigen, dass Mitarbeiter Ressourcen wie Unterstützung, Feedback, Zugang zu Informationen und ein positives Sozialklima brauchen, um die Wirkung dieser Stressfaktoren auszugleichen. Unterstützt man die Mitarbeiter dabei, solche Ressourcen in ihre Fernarbeitsroutinen zu integrieren, geben diese ihnen die nötige Energie, mit den Umständen zurechtzukommen, die sie stressen. Damit die Mitarbeiter sich von ihrem Arbeitgeber unterstützt fühlen, ist es wichtig, dass HR auf virtueller Ebene auf sie zugeht und herausfindet, was sie brauchen.

Wie eingangs bereits erwähnt: Es ist keine leichte, aber eine strategisch wichtige Aufgabe, die HR in der Corona-Krise zufällt. Natürlich ist das eine große Herausforderung – und gleichzeitig eine Chance für Unternehmen, einen achtsamen Umgang miteinander zu etablieren und positive Veränderungen einzuleiten.

Coronakrise: Analysen & Kommentare
Dieser Beitrag ist Teil unserer Coronaserie mit Analysen und Kommentaren von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der KLU. Sie beleuchten, wie sich die aktuelle Coronakrise unter anderem auf unser tägliches Leben, unsere Arbeitsweise und die Wirtschaft auswirkt. Lesen Sie weitere Analysen und Kommentare.

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