KLU talks Business … mit Stefan Gall, Nippon Diesel Service

Schiffsmotoren sind robuste Maschinen, doch vor Bruch und Verschleiß sind auch sie nicht gefeit. Und dann muss eine schnelle Lösung her. Die mittelständische Nippon Diesel Service GmbH (NDS) liefert seit rund vier Jahrzehnten Ersatzteile für japanische Schiffsdiesel aus dem Hamburger Hafen in die ganze Welt – hoch spezialisiert und erfolgreich. Warum das die Gesellschafter nicht davon abgehalten hat, die KLU mit einem kritischen Blick aufs eigene Geschäftsmodell zu beauftragen, erläutert Stefan Gall.

Als geschäftsführender Gesellschafter von NDS mit Sitz im Hamburger Hafen arbeiten Sie in einem maritimen Umfeld. Steckt in Ihnen als Unternehmer mehr ein Reeder oder ein Kapitän?

Stefan Gall: Das ist eine schöne Frage. Vielleicht eher der Kapitän, der in der Verantwortung für sein Schiff, seine Crew und seine Ladung verantwortungsvoll, aber manchmal auch entschlossen entscheiden muss.

Ihr Unternehmen ist hochgradig spezialisiert. Wie entstand die Geschäftsidee und was sind Ihre Dienstleistungen?

Stefan Gall: Mitte der Siebziger Jahre gab es einen plötzlichen Boom des Schiffbaus in Japan. In diesem Zuge gab das Unternehmen meines Partners, die Reederei Fisser & van Doornum, gemeinsam mit anderen deutschen Reedern in Japan Schiffe für den Einsatz in Europa in Auftrag. Zusammen sind wir dann der Bitte der Japaner nachgekommen, in Europa ein Lager aufzubauen und damit diesen Schiffen ein Angebot für Ersatzteile und Service zu machen. Gestartet sind wir mit einem hölzernen Karteikasten, heute geben wir den damaligen Jahresumsatz nur für Softwareupdates aus …

Warum gab es 1976 diesen Boom des Schiffbaus in Japan?

Stefan Gall: Japan wollte mit seinen Werften nicht mehr nur nationale Interessen bedienen, sondern begann, europäische Reedereien zu akquirieren. Damit entstand unser Geschäftsfeld. Wir begannen, die steigende internationale Nachfrage nach Service und Ersatzteilen für japanische Schiffsmotoren zu bedienen. Heute erfüllt Nippon Diesel sowohl gegenüber den Japanern als auch den Reedern eine wie wir finden nicht unbedeutende Funktion, die sich komplex entwickelt hat und bis hin zur Laser-Regenerierung der Motorenkomponenten an drei Standorten in Asien reicht.

Die jahrzehntelangen Freundschaften, die meine Partner und mich mit Japan verbinden, kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Kein Land in Asien und vielleicht weltweit schenkt persönlichen Beziehungen eine derartige Bedeutung. Wir teilen diese Haltung uneingeschränkt. Ich selbst habe diesbezüglich viel von unseren japanischen Freunden gelernt.

Wie organisieren Sie Ihren Betrieb?

Stefan Gall: Ganz entscheidend für uns sind die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter und ein harmonisches Betriebsklima. Wir brauchen keine steilen Hierarchien, vielmehr interessieren wir uns sehr für die Meinung unserer Mitarbeiter, weil wir wissen, dass sie in vielen Bereichen eine höhere Wissenstiefe haben als wir selbst und das ist ein hohes Gut für uns.

Sie haben die KLU beauftragt, in einer Studie das Geschäftsumfeld von NDS und Branchentrends in der Handelslogistik zu analysieren. Warum jetzt und was haben Sie mit dieser Studie erreicht?

Stefan Gall: Die Wandelbarkeit eines Prozesses durch die Möglichkeiten der künstIichen Intelligenz greift so grundlegend in praktisch jedes Geschäft ein, dass es schnell sein kann, dass das eigene Konzept moderneren Varianten unterlegen ist, z. B. in der Lagerwirtschaft. Mit der KLU ist es gelungen, dieses Risiko von allen Seiten zu beleuchten und schließlich die potentielle Gefahr in eine Chance für unser Unternehmen zu konvertieren. Aus demselben Grund haben wir mit der KLU auch besprochen, in einem fortwährenden Dialog zu bleiben. Die Zusammenarbeit mit der KLU war extrem produktiv und wir sind mit konkreten, anwendbaren Ergebnissen aus der Studie gegangen. Die Mitarbeiter der Hochschule um Dr. Petersen haben sich fantastisch in die Thematik eingearbeitet.

Die KLU feiert 2020 ihr zehnjähriges Jubiläum. Als Geschenk wünschen wir uns einen guten Sinnspruch. Haben Sie einen für uns parat?

Stefan Gall: Für Ihre Studenten: Als Matrose gekommen, als Kapitän gegangen.

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