Selbstisolierung: Wie kann man sich aus Sicht der Psychologie wappnen?

Wenn Sie sich in Selbstisolierung begeben, bedenken Sie bitte, dass Sie als Mensch drei psychologische Grundbedürfnisse haben. Jedes hat Auswirkungen auf das, was Sie tun können, um Ihr Leben und das der Menschen um Sie herum in dieser Zeit besser und erträglicher zu machen.

Für Sie selbst

1. Verbundenheit: Treten Sie aktiv mit Freund*innen und Familie und auch mit Kolleg*innen in Kontakt – eben digital. Das kann ein kurzes Gespräch sein. Machen Sie eine Gewohnheit daraus.

2. Kompetenz: Überlegen Sie sich, was Sie auch in der Isolation für Aktivitäten machen können, bei denen Sie irgendein Feedback bekommen. Zum Beispiel zu Ihrem Fortschritt oder Ähnlichen. Lassen Sie ein Hobby wieder aufleben, in dem Sie sich verbessern können und genießen Sie den Flow, der dabei entsteht.

3. Autonomie: Übernehmen Sie die Kontrolle für Ihren Tag. Schränken Sie Ihren Medienkonsum auf bestimmte Zeiten ein. Machen Sie einen Plan für Ihren Tag, Ihre Woche, Ihren Monat. Lassen Sie sich Ihre Autonomie nicht nehmen – nehmen Sie die Sache selbst in die Hand.

Als Führungskraft

Bei all dem ist zu bedenken, dass diese psychologischen Grundbedürfnisse auch die der anderen sind. Wenn Sie also in irgendeiner Form Verantwortung tragen, zum Beispiel als Führungskraft, bedenken Sie Folgendes:

1. Verbundenheit: Melden Sie sich regelmäßig bei Ihren Mitarbeitenden. Richten Sie Strukturen ein, sodass sie sich regelmäßig online treffen, auch ohne Sie. Betonen Sie, dass es nicht nur um die Arbeit geht, sondern auch darum, in Verbindung zu bleiben. Zeigen Sie, dass für Sie Menschen zählen.

2. Kompetenz: Geben Sie Ihren Kolleg*innen & Mitarbeiter*innen oft und schnell Feedback. Verteilen Sie Aufgaben, bei denen man bedeutsamen Fortschritt machen und sehen kann. Besprechen Sie mit ihnen, welche (zusätzlichen) Aufgaben das beinhalten könnte.

3. Autonomie: Mehr als jemals zuvor: Geben Sie Kolleg*innen und Mitarbeiter*innen Anleitung UND Rahmenbedingungen fragen Sie sie nach ihrer Sicht und ermöglichen Sie Auswahlmöglichkeiten. Eine gute Möglichkeit ist, sie selbst ihren Tag strukturieren & priorisieren zu lassen.

Als Partner*in

Das gleiche gilt für Kinder, Partner*innen oder andere Personen in Ihrem Haushalt. Wenn da jemand bei Ihnen ist, hier ein paar weitere Überlegungen:

1. Verbundenheit: Bieten Sie eine sichere und gemütliche Umgebung an. Zwingen Sie sich selbst dazu, 5x mehr nette Sachen zu sagen als kritische. Wir haben eine lange intensive Phase vor uns – versuchen Sie, Ihre Interaktionen so nett wie nur möglich zu gestalten.

Denken Sie drüber nach, dass in neun Monaten vermutlich nicht nur die Anzahl der Geburten steigen wird, sondern vermutlich auch die der Scheidungen (cf. Wuhan stats).

2. Kompetenz: Machen Sie etwas gemeinsam – Hobbies oder andere Herausforderungen, Olympia zuhause oder Ähnliches. Probieren Sie neue Sachen aus. Bauen/basteln/erfinden Sie etwas zusammen und loben Sie sich auch für Ihre Bemühungen.

3. Autonomie: Kümmern Sie sich gut um Ihre Tage. Besprechen und erstellen Sie Pläne dafür gemeinsam. Fragen Sie Ihre Kinder zum Beispiel, was sie in dieser Zeit lernen wollen und dann überlegen Sie, wie Sie das erreichen können.

Bleiben Sie gesund.... auch mental!

Referenzen: Das oben Gesagte stammt aus der Selbstbestimmungstheorie – einer gut etablierten psychologischen Theorie über die Funktionsweise und das Wohlbefinden des Menschen. Auf Google Scholar findet man zahlreiche Referenzen.

Coronakrise: Analysen & Kommentare
Dieser Beitrag ist Teil unserer Coronaserie mit Analysen und Kommentaren von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der KLU. Sie beleuchten, wie sich die aktuelle Coronakrise unter anderem auf unser tägliches Leben, unsere Arbeitsweise und die Wirtschaft auswirkt. Lesen Sie weitere Analysen und Kommentare.

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