SURNight 2020: Herausforderungen des Omnichannel Handels

„Omnichannel“ ist eines der Schlagworte für die Zukunft des Handels. Die „Smart Urban Retail Night 2020“ brachte am 27. Februar 2020 Wissenschaftler und Experten aus der Praxis zusammen, um gemeinsam Herausforderungen und Chancen des Omnichannel-Handels zu diskutieren. Einblicke in die Praxis lieferte dabei bonprix mit dem innovativen Konzept des „Fashion Connect Stores“ in der Hamburger Innenstadt.

„Omnichannel-Fähigkeit ist heute eines der wichtigsten Themen im Handel“, sagt André Ludwig, Professor für Computer Science in Logistics an der Kühne Logistics University und Organisator der Veranstaltung. Inzwischen haben die meisten Händler in Deutschland Lösungen für die digitale Verzahnung der verschiedenen Kanäle im Verkaufsprozess etabliert.

Bonprix „Fashion Connect Store“– konsequent Kundinnen-zentriert, digital & experimentell

Was im Bereich Omnichannel Handel heute bereits möglich ist, zeigt der „Fashion Connect Store“ von bonprix in der Hamburger Innenstadt. Frank Ebert (bonprix Handelsgesellschaft mbH) und Christian Jansen (bonprix Handelsgesellschaft mbH) präsentierten das Konzept, das online und offline intelligent verschmelzen soll. In dem Pilot-Store setzt bonprix konsequent auf dem Einsatz neuer intuitiver Technologien und bietet den Kundinnen ein neues, einzigartiges und komfortables Shopping-Erlebnis. Das Smartphone wird zum digitalen Shopping Assistenten. Die App assistiert als zentrales Element den Storebesuch von A-Z.

Logistik entscheidet

Hinter dem Store steckt eine ausgeklügelte Logistik. Sobald eine Kundin über ihre bonprix-App angibt, dass sie die ausgewählten Stücke anprobieren möchten, werden die Mitarbeiter im Lager über eine eigene App auf ihrem Mobilgerät darüber informiert, welche Produkte in welche Ankleidekabine geliefert werden sollen. Die gewünschten Produkte werden über eine separate Tür mit direktem Zugang zum Lager direkt in die Kabine gehängt. Erst, wenn alles komplett ist, wird die Kundin darüber informiert, wo sie die Waren anprobieren kann.

Das Auswählen der Artikel erfolgt dabei händisch mit Hilfe einer eigens dafür entwickelten Mitarbeiter-App, die auf dem Mobilgerät des jeweiligen Mitarbeiters anzeigt, wo sich welcher Artikel befindet und in welche Umkleidekabine dieser geliefert werden soll. Eine automatisierte Logistik, wie zum Beispiel das Auswählen per Roboter, wäre für einen Pilot-Store in dieser Größenordnung und vor dem Hintergrund des experimentellen Charakters wirtschaftlich nicht sinnvoll.
Zukünftig sind im Store als Features geplant: kontinuierliche Erweiterung der Zahlungsmöglichkeiten, ein automatischer Check-In oder die Endless Aisle, und verstärktes digitales Marketing und personalisierte Produktvorschläge.

Bestandstransparenz als Grundvoraussetzung

„Kanalübergreifendes Bestandsmanagement ist die Grundvoraussetzung für Omnichannel-Lösungsansätze. Es muss stets transparent sein, wo sich die Ware aktuell befindet“, sagt André Ludwig und skizziert damit die große Herausforderung bei der Umstellung auf effektiven Omnichannel Handel. „Wir als Wissenschaftler beschäftigen uns vor allem mit Fragen der IT-System- und Prozessintegration und entwickeln konkrete Modelle, die dabei helfen können, Omnichannel-Services effektiv und kosteneffizient einzusetzen“, sagt André Ludwig.

Omnichannel beeinflusst Supply-Chain-Management

Sandra Transchel, Professorin für Supply Chain and Operations Management an der KLU, analysierte in verschiedenen Projekten beispielsweise, wie sich eine umfangreiche Transparenz von Beständen in Omnichannel-Netzwerken auf Logistikprozesse und deren Kosten auswirkt. „Durch Modelle kann gezeigt werden, inwieweit sich eine Implementierung von Omnichannel-Services zum Beispiel auf die Warenverfügbarkeit in Lagern und Filialen oder auf Logistik-, Bestands- und Transportkosten auswirkt“, sagt Sandra Transchel. Durch die Forschung können dabei konkrete Fragestellungen untersucht werden: Für welche Produkte sind Omnichannel-Services am besten geeignet? Was sind Kostentreiber für Omnichannel-Logistik? Wie sollte die Logistik für Warenrücksendungen im Omnichannel-Handel gestaltet sein?

Projekt SURTRADE
Die “Smart Urban Retail Night” ist die Fortsetzung des „Smart Urban Retail Day 2019“, und findet im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekts SURTRADE (Smart Urban Retail Services) an der KLU stattfand. Partner sind Universität Leipzig, HHL Leipzig Graduate School of Management, Tchibo, SALT Solutions und Checkmobile. Das von Prof. André Ludwig koordinierte Projekt entwickelt unter anderem digitale Lösungen für den Einzelhandel, wie zum Beispiel eine urbane Retail-Service-Plattform mit offenen Schnittstellen für Handel, Zusteller und Kunden.

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